Seemannspastor Hans Ansgar Reinhold - Förderverein e.V.
Seemannspastor Hans Ansgar Reinhold - Förderverein e.V.

Der Name

Hans Ansgar Reinhold (1897-1968) war der erste katholische Seemannspastor in Hamburg. Mit enormem Engagement und großem Selbstbewusstsein baute der junge Priester des Bistums Osnabrück, dessen Bischof ihn mit der Gründung der Seemannsmission beauftragte, im Jahre 1928 zunächst die katholische Seemannsmission mit Hauptsitz in Bremerhaven auf. Von 1933 bis 1935 wirkte er in Hamburg. Er war der erste Nationaldirektor des Apostolates des Meeres Deutschland. Dabei erwies er sich als ausgesprochener Glücksfall, der nicht nur die Seeleute ansprechen konnte, sondern sich darüber hinaus als geschickter Finanzakquisiteur und guter Organisator zeigte. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten verließ er 1935 Deutschland. Wiederholt hatten Vertrauensleute den bekennenden NS-Gegner vor der bevorstehenden Verhaftung durch die Gestapo gewarnt. Jesuiten schleusten ihn bei Gronau illegal über die Grenze in die Niederlande. Weitere Stationen waren England, die Schweiz und später die USA, wo Hans A. Reinhold zu einem wichtigen Repräsentanten des katholischen Exils wurde. Der Hamburger Priester und Kirchenhistoriker Msgr. Peter Schmidt-Eppendorf hat eine Autobiografie sowie wichtige Schriften und Briefwechsel Reinholds zusammengetragen, in denen er das Bild eines aufgeweckten, freien Geistes zeichnet, der die Fesseln der kirchlichen Bürokratie wiederholt sprengte. Msgr. Schmidt-Eppendorf gehört zu den zehn Gründungsmitgliedern des Fördervereins.

Zur Person

Von Peter Schmidt-Eppendorf: Der Hamburger Seemannspastor Hans Ansgar Reinhold - ein Priesterschicksal im Dritten Reich. Vortrag anläßlich der Kirchengeschichtstagung am 8. 4. 2006 in Schwerin

Die Polizeibehörde Hamburg              Tgb. Nr. 46358 / 34, St. P. 2

- Staatspolizei -

Hamburg 36

Neuer Wall  88         den 26. April 1935

 

An den Seemannspastor Herrn Hans Reinhold

Hamburg 4

Hafenstraße 93

 

Auf Grund § 1 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. 2. 35 (RGBL I. S. 83) wird Ihnen hiermit für das gesamte hamburgische Staatsgebiet ein Aufenthalts- und Redeverbot erteilt. Sie haben das hamburgische Staatsgebiet unverzüglich zu verlassen.                                 

 

Gez.:  C a r s t e n s[1]

 

Wer war dieser Hans Ansgar Reinhold?[2]

 

1897 in Hamburg geboren, entstammt er einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Er besucht die katholische Schule an St. Marien, dann das Johanneum in Hamburg. Als Siebzehnjähriger meldet er sich freiwillig zu den Soldaten im ersten Weltkrieg. Einsatz an der Ostfront. Zweimal verwundet,  wird er frontdienstuntauglich erklärt. Er besucht die Heeresdolmetscherschule in Königsberg und Berlin, macht seine Diplome in Französisch ,Englisch und Italienisch und wird fortan im Stab eingesetzt. Das Ende des Krieges erlebt er in Frankreich. Bereits während seiner Schulzeit hat er großes Interesse an Sprachen, Geschichte, Kunst und Architektur. Sein Religionslehrer am Johanneum macht ihn nicht nur mit den Schriften der Bibel und mit fernöstlichen Weisheitslehren bekannt, sondern auch mit den Schriften von Kant, Schopenhauer, Nietzsche und Marx. Das oft zitierte Hausbuch der Familie ist die "Imitatio Christi" des Thomas von Kempen, wobei die Eltern dennoch jeder sentimentalen Frömmigkeit und jedem emotionalen Mystizismus entgegen sind (Leoninische Gebete, aufkommende Herz-Jesu-Frömmigkeit). Als der Knabe Hans nach der Erstkommunion ( mit 15) beginnt - angeregt durch den Kaplan von St. Marien - häufiger zur Beichte zu gehen und auch Werktags die hl. Messe zu besuchen,  machen sie sich ernsthaft Sorgen um seine psychische Verfassung. Mit fünfzehn Jahren äußert er den Wunsch Priester zu werden. Die lakonische Antwort darauf ist: "Frag uns wieder, wenn du 22 bist."

 

Nach Ende des 1. Weltkriegs ( mit 23 !) beginnt er schließlich das Theologiestudium bei den Jesuiten in Innsbruck. Ernsthaftigkeit und strenge Religiosität der Jesuiten beeindrucken ihn außerordentlich. In Professor Hatheyer[3] begegnet ihm ein Liturgiker, der im Geiste Romano Guardinis[4]  für die Erneuerung der Liturgie eintritt. Schon nach etwa einem Jahr bricht Reinhold jedoch das Studium in Innsbruck ab - was er später sehr bereut. Einer eher romantischen Vorstellung vom Priestertum folgend, wendet er sich an den Bischof von Trient, der auch für Tirol zuständig ist, um Aufnahme ins Seminar. Eine Pfarrstelle in Tirol ist sein Traumziel. Im Priesterseminar von Brixen erwacht er allerdings eines Nachts buchstäblich aus diesem Traum. Ein mystisches Erlebnis läßt ihn die Nähe Gottes erfahren. Er hat das Gefühl, er könne im Ordensstand ein Gott wohlgefälligeres Leben führen. Bereits am  folgenden  Tag faßt er den Entschluß bei den Benediktinern in Maria Laach einzutreten. Als Novize erhält er den Ordensnamen Ansgar, den er zeitlebens beibehalten hat. Aus dieser Zeit rührt seine Freundschaft mit P. Odo Casel[5],  dem Vorkämpfer der Liturgischen Bewegung.- In der Krypta unter dem Hochaltar erlebt er die erste "Dialog-Messe" (später Gemeinschaftsmesse genannt) . Der Priester zelebriert der Gemeinde zugewandt, die Gaben werden in Prozession zum Altar gebracht (1923 !).

 

Sein Novizenmeister wie auch der damalige Abt Ildefons Herwegen[6] raten ihm vom Verbleib im Kloster ab. Ein hartes Urteil für Bruder Ansgar! Sie haben Bedenken wegen seiner schwachen Gesundheit, andererseits aber auch die feste Überzeugung , daß er,  mit seinen Fähigkeiten und ausgeprägten Charaktereigenschaften, nicht in die eher beschauliche Welt eines Klosters passe, sondern besser "draußen" in der Welt wirken könne.

 

Mit ebenso guten Wünschen wie Zeugnissen ausgestattet,  wendet sich Hans Ansgar Reinhold nun an den Bischof von Osnabrück, Dr. Wilhelm Berning[7], von dem er endlich 1925 zum Priester geweiht wird. Seine erste Stelle erhält er bei den Thuiner Franziskanerinnen in Niendorf an der Ostsee. Noch heute befindet sich dort ein von ihm geschenkter Altar und Reliquienschrein, dazu ein großer Kandelaber für die Osterkerze sowie sechs Leuchter für den Altar . Am Palmsonntag veranstaltet er mit den Schwestern und Kindern ein Palmprozession. Als die Schwestern davon voll Freude und Begeisterung nach Thuine berichten, bekommen sie von der Generaloberin eine gewaltigen Rüffel und das Verbot künftig daran teilzunehmen.

 

1928 entsteht in Deutschland  - nach dem Beispiel Englands und Frankreichs - das "Apostolat des Meeres" zur geistlichen Betreuung der Seeleute. Die Deutsche Bischofskonferenz beauftragt den Osnabrücker Bischof, in dessen Gebiet die großen Seehäfen Hamburg, Bremerhaven und Rostock liegen, mit der Präsidentschaft. Zum ersten Generalsekretär und Nationaldirektor für Deutschland ernennt dieser den sprachbegabten Hans Ansgar Reinhold. In Bremerhaven entsteht das erste bescheidene Seemannsheim. Seeleute sind nicht Menschen zweiter Klasse. Sie haben einen Anspruch auf Achtung und Würde. Die Seemannsheime dürfen nicht billige Absteigen sein. Nicht Kitsch sondern Kunst, nicht Primitivität sondern Qualität soll die Häuser und die Hauskapellen auszeichnen. Die Seeleute sollen sich wohl fühlen. Ruth Schaumann[8] schafft ein Bronzerelief der "Stella Maris" für Bremerhaven[9]. Es entsteht die Zeitschrift "Seemannspost" dazu ein Informationsblatt für die Schiffsoffiziere.

 

1933 gründet Reinhold in Hamburg ein weiteres Seemannsheim. Unter seiner Ägide findet 1934 in Hamburg ein großer internationaler Kongress des Apostolatus Maris statt. Die Verbindungen zum Ausland werden gestärkt. Mehrfach besucht der Hamburger Seemannspastor ausländische Häfen bis hin nach New York, um Kontakte zu pflegen und die Seemannsmission auch in anderen Ländern zu fördern. Neben seiner Arbeit für die Seeleute beginnt er in Hamburg mit seinen Freunden Michael Keller  (später Bischof  v. Münster), Johannes von Rudloff (später Weihbischof von Osnabrück) und Johannes Moschner (damals Rahlstedt) , für die liturgische Erneuerung in den Gemeinden zu wirken (Gemeinschaftsmesse, Vortragsveranstaltungen von bedeutenden Liturgikern wie Pius Parsch etc.).[10]

 

Inzwischen waren in Deutschland große politische Veränderungen eingetreten. Nach dem Wahlsieg der NSDAP und der Wahl Hitlers zu Reichskanzler, wurde mit dem Ermächtigungsgesetz das Parlament ausgeschaltet und die politischen Parteien liquidiert. Ein großer Teil der deutschen Bischöfe - man sah im Bolschewismus die größere Gefahr - setzte seine Hoffnung auf das mit dem Hitlerregime geschlossene Konkordat. Darin waren der Kirche weitreichende Garantien für den Erhalt der kirchlichen Verbände und Vereine wie auch der katholischen Schulen gegeben. Dankhochämter wurden gehalten unter feierlichem Geläut. Wilhelm Berning wurde in den preußischen Staatsrat berufen. (Vorsitz Hermann Göring) - Doch schon bald zeigte der NS-Staat sein wahres Gesicht. Bücherverbrennungen, Schreibverbote, Verhaftungen von Regimegegnern, die ersten Konzentrationslager entstanden; Rassegesetze und Judenverfolgung.....wir wissen, wie es ausging.

 

 

Reinhold macht keinen Hehl aus seiner antinationalsozialistischen Gesinnung. Als einer seiner Seeleute wegen eines Witzes über Hitler verhaftet wird, setzt er sich mittels des französischen Konsuls in Hamburg für dessen Freilassung ein. In Gesprächen mit den Seeleuten, wie auch in seinen Schriften,  bezieht er klar und deutlich Stellung.  Er gerät ins Visier der Gestapo.

 

Im Juli 1934 wird er zum erstenmal vorgeladen  und mehrere Stunden verhört. Im Jahr darauf, als wieder eine Verhaftung droht, schickt Berning ihn mit einem offiziellen Brief in die Höhle des Löwen - " dann wird man Ihnen nichts tun können.." Er soll mit dem leitenden  Stapobeamten über das Verhältnis zwischen Staat und Kirche (sprich Seemannsmission in Hamburg) sprechen. Streckenbach legt zwei dicke Aktenordner auf den Tisch: "Sehen Sie mal, was wir schon alles über Sie wissen..!" Noch einmal kann Reinhold als freier Mann das Gestapo-Hauptquartier verlassen. Wenige Tage später besetzt ein Kommando der Gestapo das Seemannsheim. Im Zuge einer Hausdurchsuchung wird ihm das eingangs erwähnte Schreiben überreicht: Zum Schutz von Volk und Staat habe er Rede- und Aufenthaltsverbot und müsse das Hamburgische Staatsgebiet unverzüglich verlassen.

 

Anstatt nach München, wo er sich erneut der Gestapo stellen sollte, fährt Reinhold zu seinem Bischof nach Osnabrück. Berning ist überzeugt, als Staatsrat seinen Einfluß geltend machen zu können. Aber weder in Berlin noch in Hamburg kann er etwas erreichen. Reinhold soll sich in Osnabrück der Gestapo stellen. Jetzt soll er nicht nach München, sondern nach Frankfurt. In Reinhold wächst die Angst. Er entschließt sich zur Flucht über die "grüne" Grenze. - Als er sich von Berning verabschieden will, erfährt er: "Der Bischof ist in Bremen zum Essen beim Führer (Stapellauf des KDF-Dampfers Gneisenau)." Die Jesuiten in Münster nehmen sich seiner an. P. Albert Maring[11] (später in Lübeck verhaftet, in Dachau gegen Ende des Krieges  Entkräftung gestorben) bringt ihn nach Gronau, ein holländischer Pater führt ihn auf Schleichwegen per Fahrrad über die niederländische Grenze.

 

Freunde aus der Seemannsmission in den Niederlanden verhelfen ihm weiter zur Fahrt nach England. Arthur Gannon[12], Sekretär des britischen Apostolatus Maris, nimmt ihn freundlich auf. Ganz anders der Episkopat. Reinhold ist ohne Erlaubnis seines Bischofs geflohen, besitzt keine Zeugnisse und litterae dimissoriae. Seine Hoffnung, eine Stelle als Seemannspastor auf der Insel zu finden, erfüllt sich nicht. Man versteht, daß Kommunisten oder Juden aus Deutschland fliehen, aber Katholiken?  Es gibt doch das Konkordat, und die deutschen Bischöfe haben ja auch die neue Regierung begrüßt!

 

In der Schweiz sucht man Touristenseelsorger. Reinhold begibt sich nach Interlaken. Ihm kommt leider nicht in den Sinn einen Antrag auf Asyl zu stellen. Monatelang arbeitet er erfolgreich in der Urlaubergemeinde, bis die Kantonsbehörden ihn wegen mangelnder Arbeitserlaubnis zur Rechenschaft ziehen und ihn aus der Schweiz ausweisen.

 

Inzwischen hatte sich für Hans Ansgar Reinhold ein weiteres, wichtiges Arbeitsfeld aufgetan: die Sorge für aus Deutschland emigrierte Christen, insbesondere Katholiken und getaufte Juden. Evangelische wie katholische Christen hatten in den USA zu diesem Zweck bereits ein Komitee gegründet .

 

Dieses Komitee beschließt, die Situation der Flüchtlinge außerhalb Deutschlands in Europa zu erkunden und um Unterstützung seiner Arbeit zu werben. Am wichtigsten war natürlich die Unterstützung von Seiten  Roms. Aus dem Vorstand des Komitees werden George Shuster[13] und die aus der Schweiz stammende Helen Frölicher nach Europa geschickt, um zu sondieren. Nach einer Begegnung mit Reinhold ist Frau Frölicher überzeugt, daß  dieser, mit seinen weltweiten Beziehungen als Generalsekretär des Apostolatus Maris, der geeignete Mann für eine solche diffizile Aufgabe sei. Per Telegramm aus den USA erhält er hierfür einen offiziellen Auftrag.[14]

 

Reinhold begibt sich auf die Reise. Er spricht mit Kardinal Innitzer in Wien, mit dem Bischof von Paris, er schreibt an Berning (!) und fährt nach Rom zu einem Gespräch mit Kardinalstaatssekretär Pacelli.[15] Man empfängt ihn freundlich und hat Verständnis für sein Anliegen. Aber in Rom ist man zögerlich, da man mit einem offenen Eintreten für die Emigranten eine Erschwerung im politischen Verhältnis zu Deutschland befürchtet.

 

Natürlich hat Reinhold auch Kontakt zu bedeutenden deutschen Flüchtlingen in der Schweiz. Da ist vor allem Waldemar Gurian[16] zu nennen. Der 1914 getaufte katholische Jude aus St. Petersburg hatte mit seinem 1931 erschienenen Buch über den Bolschewismus große Bedeutung erlangt. Als scharfer Gegner des Nationalsozialismus war er  1934 in die Schweiz emigriert. Hier gab er die "Deutschen Briefe" heraus, ein Informationsblatt über Kirchenkampf und Kirchenverfolgung in Deutsch-land. Dabei nahm er immer wieder den deutschen Episkopat und besonders den "Herrn Staatsrat Berning" wegen ihres Taktierens mit Hitler aufs Korn.

 

Reinhold erzählt ihm vertraulich von seinen Erlebnissen und Gesprächen mit Bischof Berning. Gurian mißbraucht dieses Vertrauen und veröffentlicht Äußerungen Reinholds über den "Staatsrat" in den Deutschen Briefen. Es kommt zu einem lang andauernden Zerwürfnis zwischen beiden. In vielen Briefen verteidigt Reinhold jetzt seinen Bischof, der sich gegenüber dem Regime in schwieriger Lage befindet.[17] Es ist es vorwiegend  Reinhold zu verdanken, daß Gurian schliesslich in die   USA reisen kann und dort eine Professorenstelle an der Notre-Dame Universität in Louisiana erhält.

 

Im August 1936 gelingt Reinhold von England aus die Überfahrt nach Nordamerika. Der Generalvikar von New York empfängt ihn kühl. "Wir sind bereits über sie informiert" Patres aus dem Raphaelswerk[18] hatten die Kunde verbreitet, Reinhold sei kein "bona fide Flüchtling", sondern ein Abenteurer, der ohne wirklichen Grund und ohne Erlaubnis des Bischofs seinen Posten verlassen habe. McIntyre erteilt ihm Redeverbot im Erzbistum New York. Der nordamerikanische Episkopat sympathisiert mit dem Franco-Regime in Spanien. Mussolini und Hitler erscheinen als Feinde des Kommunismus in einem positiven Licht. Man kann sich auch hier nicht vorstellen, daß Katholiken in Deutschland verfolgt werden und einen Grund zur Emigration haben.[19]

 

Eine Zeitlang kann Reinhold sich im Bistum Brooklyn aufhalten. Seeleute aus Deutschland warnen ihn, deutsche Schiffe zu betreten oder sich an der Pier sehen zu lassen, da die Gefahr bestünde von Nazischergen gekidnappt zu werden.[20] Andererseits treffen verlockende Briefe aus Deutschland ein. Man hätte nichts gegen eine Rückkehr, wenn er nur auf seine Tätigkeit als Seemannspastor verzichtete und sich aus dem Norden Deutschlands zurückzöge. Der frühere Reichskanzler Brüning warnt ihn: das ist eine Falle.[21] Reinhold geht auch nicht darauf ein.

 

Nach dem Börsenkrach von 1929 herrscht eine gewaltige Rezession in den USA. Massenarbeitslosigkeit und Armut treiben Seeleute und Dockarbeiter auf die Straßen. Reinhold bricht das Redeverbot. In einer Suppenküche von Dorothy Day[22], der unerschrockenen Bürgerrechtlerin, die sich gegen jegliche Diskriminierung der Menschen einsetzt, spricht er zu den Arbeitern. Er engagiert sich in der katholischen Arbeiterbewegung und schreibt Artikel im "Catholic Worker". Nach wie vor arbeitet er mit im Komitee für die katholischen Emigranten. Man sammelt Geld für die Überfahrt von Flüchtlingen, besorgt "Affidavits", d.h. Bürgschaften und Empfehlungen für die Einwanderungsbehörden und bemüht sich um die Vermittlung von Arbeitsmöglichkeiten in den USA.

 

Über die Niederlande kommen auch endlich die ersehnten Papiere aus Osnabrück. Berning ist mit der Exkardination einverstanden.[23] Reinhold studiert zunächst, da er keine Anstellung in der Pfarrseelsorge bekommt, weiter an der Columbia-Universität Theologie und Geschichte. Er erhält einen Lehrauftrag an der Benediktinerabtei von Portsmouth. Bischof Shaugnessy bietet ihm schließlich 1940 eine Stelle als Seemannspastor von Seattle an. Offenbar will der Gegner jeder liturgischen Bewegung seinen Einsatz in einer normalen Pfarrei verhindern. In Chicago findet mit großem Erfolg die erste Nationale Liturgische Woche statt. Sie wird in den folgenden Jahren zu einer festen Einrichtung, an der Reinhold maßgeblich beteiligt ist. 1941 treten die USA  in den Krieg gegen Deutschland ein. Reinhold wird als Seemannspastor entlassen, da man befürchtet, er könne als solcher Geheimnisse der britischen uns amerikanischen Marine ausspionieren und an Deutschland verraten. Bischof Shaugnessy bewahrt ihn allerdings vor der Einweisung in eines der Internierungslager, die damals für verdächtige Japaner und Deutsche in den USA eingerichtet wurden. Ein argwöhnischer Mitbruder zeigt ihn jedoch beim FBI wegen Verdachts als Nazispion an. Vor Gericht muß er sich in einem Verhör verteidigen und durch einen Eid  von allen Vorwürfen reinigen. Jetzt wird er als Kaplan nach Yakima versetzt, allerdings als "enemy alien" mit strengen Auflagen . Er darf sich nur von Sonnenaufgang bis -untergang außerhalb des Pfarrhauses bewegen und sich nur mit behördliche Erlaubnis  weiter als 5 Meilen von der Stadt entfernen. Erst 1943 werden diese strengen Einschränkungen aufgehoben, im April 1944 wird ihm endlich die Amerikanische Staatsbürgerschaft zuerkannt.

 

Reinhold hält sich ein Jahr in New York auf. Er hilft in der Pfarrseelsorge ( Corpus Christi Pfarrei), hält Vorträge und gibt Exerzitien. Unter dem Titel "The Soul Afire" erscheint im Pantheon Verlag - gegründet von den deutschen Emigranten Kurt und Helen Wolff - sein erstes Buch, die Übersetzung einer Anthologie großer Mystiker, erweitert durch Texte aus der modernen Zeit. Er widmet es seinem Freunde Jacques Maritain, dem bedeutenden Philosophen und Vorkämpfer für die Menschenrechte. Im Laufe der Jahre entstehen weitere Bücher, vorwiegend zum Thema Liturgie: Churches and their Furnishing (1948), The American Parish and the Roman Liturgy (1958), Bringing the Mass to the People (1960), The Dynamics of Liturgy (1961), Liturgy and Art (1966), und schließlich seine Autobiographie "H. A. R." (1968). Mehr als 15 Jahre schreibt er unter diesen Kürzeln die monatliche Kolumne "Timely Tracts" in der Liturgiezeitschrift "Orate Fratres" (später "Worship") hinzu kommen Artikel im "Catholic Worker" in der bedeutenden Zeitschrift "Commonweal" und im von den Jesuiten herausgegebenen Magazin "America" Seine Bemühungen um die Erneuerung der Liturgie werden 1951 mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde anerkannt.[24]

 

Nach dem Kriege sendet er hunderte von Carepaketen in die deutsche Heimat. Im "Commonweal" erscheinen bedeutende Artikel aus seiner Feder über Deutschland (u. a. "Briefe vom besiegten Feind" , worin er auch vom Schicksal der Lübecker Märtyrer[25] berichtet). Es kommt zur Aussöhnung mit Berning, der ihm für den Fall seiner Rückkehr eine Stelle im Bistum zusagt.[26] Reinhold kann sich dazu jedoch nicht mehr entschließen: Sein Platz ist jetzt in Amerika. Hier hat er eine geachtete Position, hier hat er inzwischen seine Pfarrei Sunnyside  und seine guten Freunde. 1952 besucht er noch einmal die alte Heimat, seine Verwandten in Hamburg, Freunde in Rom und Madrid.

 

1956 nimmt er Abschied von seiner Pfarrei und geht nach Pittsburgh in den Ruhestand. Zunehmend leidet er unter Parkinson, die Hände zittern, das Gehen fällt ihm schwer. Seine Autobiographie diktiert er auf Band. Kardinal Wright beruft ihn in die liturgische Kommission seines Bistums und nimmt sich liebevoll seiner an. Eine Einladung, als dessen Berater am 2. Vatikanischen Konzil teilzunehmen,  muß Reinhold jedoch ablehnen. Die Krankheit ist zu weit fortgeschritten. Es erfüllt ihn mit großer Freude, daß viele seiner Ideen und Vorstellungen in der Liturgiekonstitution des 2. Vatikanums verwirklicht sind.

 

Im Alter von 71 Jahren stirbt er am 26. Januar 1968 in Pittsburgh. Beigesetzt wird er auf dem Klosterfriedhof  der Benediktiner von Mount Saviour in New York.

 

In seiner Abschiedspredigt sagt P. William Clancy:

 

...viele von uns sind auch gekommen, um einen schuldigen Dank abzustatten - die größte Dankesschuld überhaupt, den Dank des Glaubens selbst. Denn Hans Ansgar Reinhold lehrte uns..... sehen auf eine Weise, wie wir vorher nicht gesehen haben, auf eine Weise, die wir nicht für möglich gehalten hatten, bis wir ihn gelesen oder kennengelernt haben. Er lehrte uns , gerade jene Dinge zu sehen, die wir heute feiern - das Mysterium und die Freude der Kirche, das heißt, das Mysterium und die Freude der Auferstehung und der Herrlichkeit Jesu Christi.

........Ehe andere es verstanden, verstand er wie der Sieg unseres Herrn uns überliefert ist in der Feier seiner Mysterien, und er wußte, daß unser Bestreben sein müsse, an diesen Geheimnissen unter den Zeichen der Liturgie Anteil zu haben."

 

Ein anderer formuliert es einmal kurz und lapidar so: "Germanys loss was Americas gain"[27]

 

DEUTSCHLANDS VERLUST WAR AMERIKAS GEWINN

 

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Werke von Hans Ansgar Reinhold:

 

Bringing the Mass to the People, Baltimore 1960

Churches, their Plan and Furnishing ( Hrsg. mit  P.F. Anson) Milwaukee 1948

H. A. R.: The Autobiography of Father Reinhold, NY 1968

Liturgy and Art, NY 1966

Speaking of Liturgical Architecture, Notre Dame (Indiana) 1952

The American Parish and the Roman Liturgy, NY 1958

The Dynamics of Liturgy, NY 1961

The Soul Afire -Revelations of the Mystics, NY 1944

The Spear of Gold- Revelations of the Mystics, London 1947

Zahlreiche Beiträge in "Commonweal", "Orate Fratres" (Worship)[28]

 

Quellen und Literatur    

 

Ungedruckte Quellen:

 

Nachlaß Reinhold in der Burns Library, Boston College (Zit.:BC)

Korrespondenz Berning-Reinhold und Personalakten, Archiv des Bischöflichen Generalvikariates Osnabrück, (Zit.: OS)

 

Gedruckte Quellen und Literatur:

 

Anson, Peter F., Harbour Head - Maritime Memories, London 1944

Besier, Gerhard u. Schmidt-Eppendorf, Peter (Hrsg.): Hans Ansgar Reinhold, Schriften und Briefwechsel, Münster 2011

Blane Brehany T.O.R., Aspects of the Liturgical Renewal As Seen in the Writings of H. A. Reinhold and the Constitution on the Sacred Liturgy, Dissertation an der Catholic University of America, Washington D.C. 1965

Cassidy, Thomas P. , College in Prison, in: American Benedictine Review, 1963, S.221-232

Corrin, Jay P., H.A. Reinhold: Liturgical Pioneer and Anti-fascist, in: The Catolic Historical review, 82 (Juli 1996) S. 450-459

Corrin, Jay P., Catholic Intellectuals and the Challenge of Democracy, University of Notre Dame Press, 2002

Cunneen, Joseph (editor) (Cardinal Bea, Yves Congar, Hans Küng, H. A. Reinhold, Robert McAfee Brown, Roger Schutz, M. D. Chenu, John Julian Ryan, Georges Mollard, John Bannan, Daniel Callahan, Andrej Krasinski, Jose-Luis Aranguren, John Meyendorff ..)

Day, Dorothy, "On Pilgrimage - March 1968" in: The Catholic Worker, März 1968, 1, 2, 8.

Garner, Joel, The Vison of an Liturgical Reformer: Hans Ansgar Reinhold, American Catholic Educator, Dissertation, Columbia-University, 1972

Lawrence, Emeric A., H.A.R. - Death of a Friend, in: Commonweal 87, 8. März 1968, S. 686-688

Leonard, W. J., Artikel "Reinhold, Hans Anscar" in: New Catholic Encyclopedia, Bd. 16, Washington 1974

Lindsay, Sandra L., Accents of Candor and Courage: H. A. Reinhold in the American Liturgical Movement. Masters Thesis, University of Portland, 1992

Liturgical Conference (Hrsg.) Preaching the Liturgical Renewal, Instructional Sermons and Homilies, mit einem Vorwort von H. A. Reinhold, Washington 1964

Mannion, M. Francis, Liturgy and Culture: A Failed Connection, in: "Antiphon" Bd. 5 Nr.3

The Society for Catholic Liturgy, Greenville 2000

Upton, Julia R.S.M., H.A. Reinhold: Architect of the Liturgical Movement in America, in: Kulzer, Linda und Bondi, Roberta (Hrsg.), Benedict in the World - Portraits of Monastic Oblates, Collegeville 2002, S. 187-197

 

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P. Schmidt-Eppendorf

Haakestraße 97

21075 Hamburg

 

[1]  BC-1/6

[2] Vgl. für das Folgende die Autobiographie Reinhods: H.A.R.

[3] Franz Hatheyer S.J. (1873-      ) Aszetischer Schriftsteller. Prof. der Philosophie in Innsbruck, 1924-1930 Provinzial

[4] Romano Guardini (1885-1868) Theologe u. Religionsphilosoph , 1923-1939 Prof. in Berlin, 1945-1948 Tübingen, 1948-1963 München. Führende Persönlichkeit in der Jugendbewegung (Quickborn) und der Liturgischen Bewegung. Geistreicher Interpret literarischer Werke.

[5] Odo (Johannes) Casel OSB, (1886-1948), Liturgiewissenschaftler, Begründer der Mysterientheologie,  führend in der Liturgischen Bewegung.

[6] Ildefons (Peter) Herwegen OSB (1874-1946), seit 1913 Abt von Maria Laach, Bedeutender Förderer der liturgischen Erneuerung. Gründete 1931 die Benediktinerakademie für liturgische und monastische Forschung (seit 1948 Abt-Herwegen-Institut..) .

[7] Wilhelm Berning (1877-1955) Studium der Philosophie, Theologie und Geschichte sowie orientalischer Sprachen in Münster und Breslau, 1901 Promotion zum Dr. theol. (egregia cum laude) ,Oberlehrer am Gymnasium in Meppen, 1903 Mitglied der Zentrumspartei. 1914-1955 Bischof von Osnabrück und Apostolischer Vikar der Norddeutschen Missionen 1914-1930, seit 1949 Titularerzbischof. Vielfältige Aufgaben in der Bischofskonferenz ( Schule, Erwachsenenbildung, Auswandererbetreuung, Öffentlichkeitsarbeit), 1933 Unterhändler hinsichtlich des Artikel 31 des Reichskonkordates, 1932 Präsident des Apostolates des Meeres. 1934 Schirmherr des Reichsverbandes der katholischen Auslandsdeutschen. Mit der Wahl Hitlers 1933 zum Reichskanzler steht Berning in der Spannung zwischen der Christenpflicht zum Gehorsam gegenüber der staatlichen Obrigkeit und der Ablehnung weltanschaulicher Irrtümer des Regimes. Persönliche Zusagen Hitlers, daß das Christentum Grundlage des sittlichen und  moralischen Lebens des Volkes sein solle, ließen ihn zunächst auf ein gutes Miteinander zwischen Staat und Kirche hoffen. Nach Rücksprache mit Kardinal Bertram und Nuntius Orsenigo übernahm Berning einen Sitz im Preußischen Staatsrat (11. 7. 1933), den er später mehrmals aufgeben wollte, aber auf Anraten von Bischofskollegen und  des Papstes (Pius XII) beibehielt. Mit Steigerung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft veränderte sich die Haltung Bernings zum Hitlerregime. Er prangerte öffentlich die Beseitigung der Bekenntnisschule, die propagandistische Ausnutzung der Sittlichkeitsprozesse gegen Welt- und Ordensklerus an und beklagte die Unterdrückung der Kirchenpresse. 1941 verurteilte er in einer Predigt in Hamburg (Versammlung kath. Frauen) die Euthanasiemaßnahmen der Nazis, und in der Silvesterpredigt 1941 die Mißachtung der Menschenrechte, was ihm eine Rüge und unverhohlene Drohung des Ministerpräsidenten Hermann Görings eintrug. Dem Münsteraner Bischof August von Galen stellte er sich nach dessen regimekritischen Predigten in einer Eingabe an die Regierung schützend zur Seite. Mit Fortdauer des Krieges und Zunahme des nationalsozialistischen Terrors wurde Bernings  Bemühungen im Einsatz für verfolgte Priester und Laien zunehmend erfolgloser. Die Nachkriegsjahre waren geprägt durch die Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse und die Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen im weiten Diasporabistum Osnabrück. Papst Pius XII ehrte die Verdienste Bernings durch die Erhebung zum Titularerzbischof. (Vgl. Klemens-August Recker, Wem wollt ihr glauben? - Bischof Berning in der Zeit des Dritten Reiches, Paderborn 1997)

[8] Ruth Schaumann (* 24. August 1899 in Hamburg; † 13. März 1975 in München) Lyrikerin, Dichterin, Bildhauerin und Zeichnerin.

[9] BC - 1/3

[10] BC- 1/5

[11] P. Dr. Albert Maring S.J. (1883-1943) 1901 Eintritt in den Jesuitenorden in Feldkirch, Vorarlberg, Studium in Valkenburg (NL), Mathematik, Physik und Chemie, dann in Kopenhagen ( Prof. Knudsen und Niels Bohr), Promotion in Bonn (Dr. rer. nat.), 1934 Priesterweihe. Mitarbeiter der von P. Friedrich Muckermann herausgegebenen Monatszeitschrift für Dichtung und Leben "Der Gral"( 1937 verboten). 1933 Herausgeber von zwei Broschüren gegen die NS-Weltanschauung. Maring wurde 1941 auf Anordnung des Reichssicherheitshauptamtes wegen ", staatsfeindlicher und landesverräterischer Betätigung" in Lübeck verhaftet, wo er Exerzitienvortäge hielt. Am 8.2. 1941 Überführung in das Polizeigefängnis Münster, später Verlegung nach Herne und Bochum und ins Konzentrationslager Sachsenhausen, von dort 1942 ins KZ Dachau. Hier starb er am 8. April 1943 an Entkräftung.

Vgl. Helmut Moll, Zeugen für Christus, Bd.2, Paderborn 1999, S. 793f.

[12] Arthur Gannon, 1920 zusammen mit Peter Anson und Msgr. Donald Mackintosh (Bischof v. Glasgow) Gründer des Apostolates des Meeres. Vgl.: Peter Anson, Harbour Head, London 1944

[13] Georg Shuster (1894-1977) Ab 1926 Mitarbeiter des "Commonweal", 1928-1937 Geschäftsführender Herausgeber. 1937 Präsident des Hunter College in New York und Assistent des Präsidenten der Notre-Dame-Universität

[14] BC – 3/16

[15] Eugenio Pacelli (1876-1958)  vom 2.3. 1939 - 9. 10. 1958 Papst (Pius XII.); 1901 im Dienst des Staatssekretariates, 1909-14 Professor für Diplomatie, 1917  Titularerzbischof, Apostolischer Nuntius in München, 1920 Nuntius beim Deutschen Reich, 1924 Übersiedlung nach Berlin, 1929 Kardinal und Staatssekretär, 1939 zum Papst gewählt. Bemühte sich, den Ausbruch des 2. Weltkrieges zu verhindern. Kein offener Protest in der Judenfrage, da er glaubte, durch ein Schweigen Schlimmeres zu verhüten. In zahlreichen Enzykliken und Reden nahm er Stellung zu den wichtigen Fragen der Zeit. Durch seinen scharfen Verstand, seine große Sprachkenntnis und seine charismatische Ausstrahlung erlangte das Papsttum ein hohes internationales Prestige.

[16] Waldemar Gurian (1902-1954) Politologe, Publizist, 1934 Übersiedlung in die Schweiz, 1937 an der Universität von Notre-Dame (Indiana), gründete 1939 die "Review of Politics", zu deren Mitarbeitern Jacques Maritain und Hannah Arendt gehörten.  Versuchte, die deutschen Bischöfe zu einem kompromißlosen Widerstand gegen die Zerstörung politischer und menschlicher Grundrechte aufzurufen. Wichtiges Werk: Der Bolschewismus - Einführung in Geschichte und Lehre, Freiburg 1931.

[17] BC- 4/16

[18] Es waren die Pallotinerpatres Georg Timpe und Dr. Max Joseph Größer vom Raphaelswerk. Timpe war von 1920-1931 Generalsekretär des Raphaelsvereins (Sitz in Hamburg) und lebte damals in Washington DC.  Er schrieb am 18. Juli 1936 in einem Brief an Prälat Wintermann in Hamburg: „Ich habe von hochstehender Stelle erfahren, daß der hochw. Herr Reinhold beabsichtigt, nach den Ver. Staaten zu kommen, um mit Hilfe deutsch- amerikanischer Be­kannten ein Hilfswerk für kath. Nichtarier hier aufzubauen. Ich habe er­fahren, daß Herr R. beim Kardinal in New York persona ingrata ist; es geht dies auf seine letzten Reisen für die Seemannsmission zurück. Soviel mir bekannt ist, gehört Herr Reinhold der Diözese an. Ich möchte annehmen, daß der hochwürdigste Herr Bischof gegen den Plan des Herrn Reinhold ist, wenn er erfährt, daß sein Kommen nicht sehr erwünscht ist. Nach meiner Ansicht sollte sich kein Geistlicher in diese Sache einmischen, wenn er keinen Auf­trag des Gesamtepiskopats hat, und soweit ich die hiesigen Verhältnisse kenne, wird der amerikanische Episkopat in seiner Gesamtheit nichts unter­nehmen, wenn keine autorisierte Persönlichkeit von drüben hierher kommt. Nach meinem Empfinden sollte die Reise des Herrn Reinhold verhindert werden, um eine Bloßstellung des deutschen Episkopats zu verhindern. Die Persön­lichkeiten, mit denen er hier Verbindungen aufgenommen hat, sind nicht ge­eignet, der Sache und der Heimat zu dienen. Ich kann mir denken, daß auf Ihnen jetzt besonders viele Arbeiten und Sorgen lasten und hoffe, daß Ihre Gesundheit all dem standhalten möge. Mit deutschen Grüßen bin ich      Ihr sehr ergebener    Georg Timpe“ (Archiv Erzbistum Hamburg)

Sein Nachfolger P. Größer besuchte 1936 Amerika Er brachte  einen Brief von Bischof Berning an das Generalvikariat von New York mit, dazu von der Gestapo beglaubigte Dokumente, und verbreitete das Gerücht, "niemand wisse warum Reinhold das Land verlassen habe. Er sei eine unstete Person, die es nirgends länger als ein Jahr aushalte (sic!). P. Größer bemühte sich die These zu verbreiten, die der Generalvikar des Bistums New York, James Francis McIntyre, sich offenbar vollständig zu eigen gemacht hat: Laut Größer gäbe es keine Verfolgung der Kirche in Deutschland, in der Tat seien die deutschen Katholiken vielfach besser dran als ihre Glaubensgenossen in den USA, seit Hitler finanziell zu ihren Schulen und ihrer Besoldung beitrüge. Hinzu kamen die ermutigenden Berichte über die Tugenden des neuen Regimes durch solche deutschen religiösen Leuchten wie Karl Adam und Joseph Lortz. - (Vgl. Corrin, S. 445) . P. Größer litt später ebenfalls unter der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Vgl. Helmut Moll (Hrsg.) Zeugen für Christus, Bd. II.S.826-828

[19] Jay P. Corrin, Catholic Intellectuals.......

[20] BC – 2/24

[21] BC – 2/17

[22] [22] Dorothy Day (1897-1980) Journalistin, Frauenrechtlerin, Pazifistin, Gründerin der Katholischen Arbeiterbewegung in den USA. Seit 1916 journalistische Mitarbeit an verschiedenen Zeitungen und Magazinen, starkes Engagement für die Soziale Frage. Wegen zivilen Ungehorsams des öfteren verhaftet und mit Gefängnisstrafen belegt (erstmals 1917, das letzte Mal 1973 im Alter von 76 Jahren). 1924-1927 "Ehe ohne Trauschein" mit dem englischen Botaniker Forster Batterham. 1927 Übertritt zur katholischen Kirche. Doris Day setzte sich unter anderem ein für die Ächtung des Krieges, die Gleichberechtigung der Rassen, das Wahlrecht der Frauen, Gerechtigkeit in der Arbeitswelt und Fürsorge für die Armen und Obdachlosen.. Zusammen mit dem französischen Emigranten Peter Maurin und dem Herausgeber des Commonweal, George Shuster, gab sie seit 1933 die Zeitschrift "The Catholik Worker" heraus, die wesentlich von der katholischen Soziallehre geprägt war. Es entstand  die katholische Arbeiterbewegung mit den "Houses of Hospitality", von denen es schließlich 33 im ganzen Lande gab. Beim Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges stellte sich Dorothy Day gegen Franco und den Nationalsozialismus. Sie gehörte zu den Gründern des Komitees "Katholiken gegen den Antisemitismus

[23] BC – 2/17

[24] BC – 20/3

[25] Die am 10. November 1943 in Hamburg von den Nazis hingerichteten katholischen Kapläne Prassek, Lange und Müller, und der evangelische Pastor Stellbrinck.

[26] BC – 2/17

[27] Predigt zum 40jährigen Priesterjubiläum von Reinhold am 22. 12. 1965 in der Holy-Family-Church, New York. City. BC – 20/3

[28] Zusammenstellung bei Blane Brehany T.O.R., Aspects of the Liturgical Renewal As Seen in the Writings of H. A. Reinhold and the Constitution on the Sacred Liturgy, Dissertation an der Catholic University of America, Washington D.C. 1965

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